Wort des Bischofs

Kanzelabkündigung für Sonntag 15. März 2022

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe
und der Besonnenheit” (2.Timotheus 1,7). Liebe und Besonnenheit – was heißt das
für unser Handeln gegen die Ausbreitung des Corona-Virus?
Viele von uns müssen gegenwärtig schwierige und teilweise schmerzliche
Entscheidungen treffen. Welche Veranstaltungen können stattfinden? Welche
müssen wir absagen? Wieviel Vorsicht ist in unseren persönlichen Beziehungen im
Umgang mit andren Menschen geboten? Können wir überhaupt noch jemanden
körperlich berühren? Und gerade wenn es auch um andere Menschen geht: Wie
können wir das richtige Maß zwischen zuversichtlicher Gelassenheit und Leichtsinn
finden?
Sie haben es vermutlich in der Presse gelesen: wir haben die konstituierende
Tagung der neuen Landessynode vom 22.-26. März in Bayreuth schweren Herzens
bis auf Weiteres verschoben. Mit dieser Entscheidung beteiligen wir uns an den
allgemeinen Präventionsbemühungen gegen die weitere Verbreitung des Corona-
Virus. Auch andere kirchliche Veranstaltungen und große Gottesdienste müssen
abgesagt werden. Auch bei Ihnen in den Gemeinden werden die damit verbundenen
schwierigen Abwägungen zu treffen sein.
Auch in unserem persönlichen Verhalten brauchen wir die Kraft, Liebe und
Besonnenheit, von der Paulus spricht. Die Liebe drängt nach der Umarmung oder
zumindest dem Handschlag. Die Besonnenheit lässt uns das freundliche Zunicken
vorziehen – oder auch den Stups mit dem Ellenbogen als neue Form der Begrüßung.
Die Liebe zeigt uns aber ganz bestimmt den richtigen Weg. Die Liebe sagt: Rücksicht
auf andere ist wichtiger als die eigene Gelassenheit.
Wenn wir jetzt unerwartet mehr Zeit haben durch abgesagte Veranstaltungen oder
weil wir zuhause bleiben müssen, dann können wir sie nutzen für Besinnung, Gebet,
Psalmenmeditation, Auftanken und Gemeinschaft mit lieben Menschen.
Wir denken an die Menschen, die gesundheitlich mit den Folgen des Virus kämpfen.
Wir denken auch an die Menschen, die spürbar unter den wirtschaftlichen
Konsequenzen Virus zu leiden haben. Menschen haben Angst um ihren Arbeitsplatz.
Geschäftsleute bangen um das wirtschaftliche Überleben.
Für sie alle und für uns selbst wollen wir beten: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge
hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern
kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Als Christen leben wir nicht aus der Angst, sondern aus dem Vertrauen. Bei allem
was jetzt an Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen ist, wissen wir: „Gott hat uns nicht
gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der
Besonnenheit.” Das ist die beste Voraussetzung, jetzt das Richtige zu tun, um
Gefahren für die Zukunft zu vermeiden und gleichzeitig tief in der Seele zu spüren:
Gott ist bei uns jeden Tag. Auf ihn vertrauen wir, egal, was kommt.

Dr. Heinrich Bedford-Strohm
Landesbischof